Bundeswehr in Osteuropa

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Friedrich Schaeper
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Bundeswehr in Osteuropa

Beitrag von Friedrich Schaeper » 14.03.19

Ich habe am 22. August 2018 an den Presse- u. Informationsstab, bisher ohne Antwort, nachstehenden Brief geschrieben:
Über die Kameradschaft ehemaliger Soldaten im Deutschen Bundeswehrverband habe ich die letzte Ausgabe Ihres Magazins (Y 08/09 2018) erhalten und bin darin auf einen Beitrag gestoßen, der mich zu einer Erwiderung ermuntert:
Unter dem Titel „Beistand für unsere Verbündeten“ und im Text Enhanced Forward Presence Solidarität zeigen schreibt Frau Anika Wenzel folgende Einleitung:
„Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Rußland war der Auslöser: Im Juli 2016 beschlossen die NATO-Mitgliedstaaten ... die Aufstellung von Battlegroups in den baltischen Staaten sowie Polen.“ Auf den Seiten 44/45 folgt dann eine eindrucksvolle Darstellung der geographischen Bedingungen im „Einsatzgebiet“, allerdings ohne die Russische Föderation und Weißrußland zu markieren.
Der Zufall hat es gefügt, daß ich soeben russischen Freunden auf deren Fragen zu meiner Position zur NATO-Osterweiterung, zu Sanktionen, Konflikten u.a. wie folgt geantwortet habe.
... Vorbemerkung ...:
Ich bin von Herbst 1974 bis Herbst 2080 Kommandeur eines Braunschweiger Panzerbataillons gewesen. Unser Einsatzraum (GDP) war ein Gefechtsstreifennördlich der A 2 mit Blick auf die innerdeutsche Grenze, an der – nach Plan – das Verzögerungsgefecht beginnen sollte.
Durch die Ereignisse ab Herbst 1989, letztendlich durch den Abzug der sowjetischen Streitkräfte, blieb uns allen der Waffengang erspart. Und so habe ich mit ehemaligen Kameraden auf einer Höhe im vormaligen Gefechtsstreifen des Bataillons im Sommer 1991 ein nachdenkliches Wiedersehen gefeiert. Anstelle der Grenze zwischen NATO und WP verlief vor unseren Augen die niedersächsisch/sächsisch-anhaltinische Grenze, wurden wir nicht von mißtrauischen DDR-Grenzsoldaten beobachtet und wußten wir die sowjetischen Truppenteile aus Gardelegen nach Rußland heimgekehrt.
Einer aus dem Kreis fand die richtigen Worte für unsere Stimmung: Wir sind davongekommen und unsere Söhne und Enkel werden nach Osten reisen, die Menschen kennen lernen und jenseits der deutschen Ostgrenze bestenfalls osteuropäischen Soldaten begegnen.
Nun sehen deutsche Soldaten im Rahmen von NATO-Verabredungen jenseits von Grenzen wieder russisches/weißrussisches Militär!
In den folgenden Jahren nach meiner Pensionierung habe ich die politische Entwicklung aufmerksam beobachtet und war bemüht, Zugang zu Veröffentlichungen kompetenter Kenner der jeweiligen Materie zu finden, beispielsweise zu den Verlautbarungen von General a.D. Kujat zur Rußlandpolitik. Dabei mußte ich feststellen, daß unsere gegenwärtig Verantwortlichen „ihren Bismarck“ nicht gelesen haben.
...
Auf die Frage nach dem Zweck der Sanktionen gegen Rußland und nach den Gründen deutscher Beteiligung – auf unserer ersten Flußreise von Moskau nach St. Petersburg vor zwei Jahren von freundlichsten Reiseführern oft gestellt – konnten wir aber nicht antworten.
Wurde die Krim annektiert, eine Begründung für Sanktionen, oder fand eine „Sezession“ statt,
für mich als Nichtjuristen ein heikler Unterschied:
Auf Seite 58/59 schreibt nämlich Prof. Karl A. Schachtschneider in „Einwanderung oder Souveränität“ dazu: „ ... Die Trennung der Krim ... von der Ukraine war eine von der Russischen Föderation militärisch gemäß der Friendly Declaration der Vereinten Nationen (Nr. 2625
vom 24. Oktober 1970) gegen Versuche der Ukraine, unterstützt von den USA, sie mit Gewalt zu verhindern, geschützte Sezession, ein Fall der Selbstbestimmung eines Volkes. ...“ !
...
Ich würde es aber auch sehr begrüßen, wenn die heutige Regierung der Russischen Föderation in der Würdigung der Akteure um den „Zwei plus Vier-Vertrag“ , nämlich Michael Gorbatschow, George H.W. Bush und Helmut Kohl jeweils mit ihren Außenministern der erwartungsvollen Stimmung in ihren Ländern - Sternstunde der Diplomatie - mehr Verständnis entgegenbringen könnte. - Man lese dazu im Monatsmagazin Cicero 03.2018 Seite 62 ff. „Revanche der Geschichte“ von Ulrich Schlie.
Ich habe jedenfalls daran geglaubt, daß die Weltgemeinschaft, insbesondere NATO und Europäische Union die Chancen des Endes des Kalten Krieges besser nutzen würden, neige dazu, von totalem Politikversagen zu sprechen. Aber in einem Land, das seine Außenminister wechselt wie Unterwäsche, ist die Rückbesinnung auf des Deutschen Kaiserreiches Kanzler Fürst Bismarck geradezu undenkbar. ...

Aus aktuellem Anlaß habe ich das wohl informativste Sachbuch über die kritischen Jahre zwischen den Weltkriegen zu Hand genommen: General a.D. Gerd Schultze-Rhonhof beschreibt in „1939 Der Krieg der viele Väter hatte, Untertitel „Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg“ die Situation vor Ausbruch des Waffenganges. Und wem das Studium von 605 Seiten zu mühsam ist, der höre sich den Verfasser bei YouTube an:. „Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof spricht in München über die Kriegsursachen 1939“. Ein ganz wichtiges Zitat des israelische Botschafters in Bonn, Asher ben Nathan in seinem Referat: Auf die Frage, wer 1967 den Sechstagekrieg begonnen habe: „Das ist gänzlich belanglos. Entscheidend ist, was den ersten Schüssen vorausgegangen ist.“
Und nun komme ich zur Gegenwart zurück und frage Sie, sehr geehrte Frau Börner, was wohl Schüssen der bis an die russisch/weißrussische Grenze erweiterten NATO vorausgehen könnte?

Mit dem Wunsch das BMVg möge das für das deutsche Kontingent benötigte Gerät zum Einsatz in den „Battlegroups“ rechtzeitig zusammenbekommen und es ohne scharfen Schuß wieder heimbringen

grüßt Friedrich Schaeper

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